Rabenschwarz gegen die roten Vögel
Was sich vorher andeutete, ist nun unverrückbar: Die Rams stecken in der Krise. Die 18:16-Niederlage im heimischen SoFi Stadium gegen die Arizona Cardinals besiegelte den Fehlstart für das ehemals vielversprechendste Team der NFL. Während die Defensive in vielen wichtigen Momenten gerade so standhielt, offenbarten Offense und Playcalling enorme Schwächen und so verlor man völlig zurecht das nächste Spiel innerhalb der Division.
Spielverlauf
Die Rams Offense bekam zuerst den Ball, konnte im ersten Drive aber kein neues First Down erspielen. Nachdem Jacoby Brissett auf der Gegenseite die ersten Snaps gespielt hatte, gab es das erste Big Play der Rams Defense. Safety Quentin Lake fing einen unterworfenen Pass in Richtung Trey McBride an der Seitenlinie ab und verschaffte den Rams den Ball schon in Reichweite eines Field Goals.
Rams Runningback Blake Corum brachte den Ball mit zwei guten Läufen an die 15 Yard Line, bevor QB Stafford einen Sack im folgenden Third Down einstecken musste. Der neue Kicker Blake Grupe verwandelte daraufhin aus 44 Yards seinen ersten Versuch als Ram. Im folgenden Kickoff stand er erneut im Mittelpunkt: Beim Return der Cardinals tackelte Grupe, der mit 1,70 m Körpergröße nur 70 kg auf die Waage bringt, den gegnerischen Ballträger und zog sich eine wohl schwere Knieverletzung zu. Damit war nicht nur sein Nachmittag beendet, sondern wahrscheinlich auch sein kurzes Intermezzo in LA. Die Rams mussten also fortan ohne gelernten Kicker auskommen und das nahm natürlich Einfluss auf die spätere Entscheidungsfindung in kritischen Situationen.
In der anschließenden Serie fand Arizonas Spielmacher erstmals seinen Star-TE Trey McBride für ein langes Play, das die Cardinals ihrerseits in Field Goal Range brachte. Somit konnte Chad Ryland das Leder aus 34 Yards durch die gelben Stangen kicken und auf Gleichstand stellen.
Da die Rams anschließend erneut 3 and out gingen, brachten die Gäste gleich den nächsten langen Drive auf den Rasen, der mit einem weiteren Field Goal endete.
Mit dem Beginn des zweiten Viertels fand auch die Offense in Royal und Sol etwas Leben. Stafford verteilte den Ball gut und zwischendurch trug auch das Laufspiel dazu bei, dass die Rams sich nach fünf Minuten in der Redzone befanden. Von der 15 Yard Line warf der Rams QB dann das Leder zu Blake Corum, der aus dem Backfield einen Checkdown nach rechts gelaufen war. Dieser fing den Pass und fand die Endzone für den Touchdown. Aufgrund der Grupe-Verletzung sah Sean McVay sich gezwungen, eine Two Point Conversion zu versuchen. Diese sollte ein Pass auf Davante Adams werden, welcher aber nie offen war. Stafford hielt den Ball mehrere Sekunden und las nichts vom Rest des Feldes, bis er von der Blindside hart getroffen wurde. Dabei fumbelte er und Cardinals D-Liner LJ Collier trug das Spielgerät solange zurück, bis er von Jordan Whittington zu Boden gebracht wurde. Somit blieb es beim Spielstand von 9:6 für die Gastgeber.
Nach jeweils einem Punt beider Mannschaften waren es erneut die Cardinals, die mit einer Serie von 12 Spielzügen den Ball bis nach der Two-Minute-Warning bewegten und das dritte Field Goal des Tages auf die Anzeigetafel brachten.
Mit 46 Sekunden vor der Halbzeit brachten die Rams nur noch sehr konservative Laufspielzüge aufs Feld, sodass es zur Pause Gleichstand hieß.
The Matthew to Blake connection for the TD‼️
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Arizonas Offense startete das dritte Quarter mit Ballbesitz und brachten nach über acht Minuten und 15 Spielzügen ein erneutes Field Goal zwischen den Stangen unter. Die Redzone Defense der Rams hielt das ganze Spiel über stand, aber auf dem Rest des Feldes erlaubte man durchaus Raumgewinne. Die LA Offense konnte das Spielgerät ebenfalls bewegen und hatte nach 4 Minuten schließlich ein 4th&1 in der gegnerischen Feldhälfte. Anstatt einen kurzen Pass zu Nacua zu werfen oder einem Runningback den Ball zu geben, entschied man sich hier für einen Handoff zu Tight End Davis Allen, der vor der Line to Gain gestoppt wurde.
Mit diesem Turnover on Downs übernahmen also die Gäste wieder und waren in der Lage einen weiteren sehr langen Drive zu spielen. Bereits im letzten Viertel angekommen war es abermals Kicker Chad Ryland, der die Cardinals mit einem Kick zu einem Vorsprung von 6 Punkten brachte.
Matthew Stafford und die Rams Offense liefen Gefahr, das Spiel komplett aus der Hand zu geben, falls man nicht schnell einen Score bekam. Unter Druck startete der Drive auch sehr gut, denn nach einem guten Pass zu Adams beging ein Defender auf Seiten der Cardinals eine Pass Interference gegen Puka Nacua und man war zurück in der Redzone. Hier gelang der Defense ein Sack, bei dem Stafford den Ball ohne Gegnerkontakt fallen ließ und sehr glücklich selbst wieder einsammelte. Direkt im Anschluss fing Tyler Higbee einen kurzen Pass, fumbelte den Football und diesmal recoverte Arizona das Leder.
Die Rams Defense hielt das Team von Sean McVay mit einem schnellen Stop weiter in Schlagreichweite und mit noch 7 Minuten auf der Uhr bekam Matthew Stafford erneut die Chance, auszugleichen oder die Führung zu übernehmen. Nach einigen produktiven Plays von Kyren Williams, der insgesamt wenig eingebunden war, fanden sich die Rams mit einem vierten Versuch und drei Yards zum First Down in der Hälfte der Cardinals wieder. Dank eines mentalen Fehlers von Right Tackle Warren McClendon, der einen False Start beging, wurde das 4th Down aber länger und es kam noch schlimmer. McVay callte einen Screen Pass zu Williams, der keine Chance hatte, den Ball überhaupt zu fangen - der nächste Turnover on Downs.
Die Defense zeigte dennoch einmal mehr ihre Klasse, denn schon wieder forcierte man einen Punt nach 3 Spielzügen, sodass die Offensive noch eine Chance bekommen sollte. Mit ein paar kurzen positiven Plays und einer Bombe zu Puka Nacua für 43 Yards standen die Rams an der Tür zur Redzone als die Two Minute Warning das Spiel noch einmal unterbrach. Im Anschluss verteilte Stafford den Ball weiter gut, bis schließlich TE Colby Parkinson auf der rechten Seite einen Pass fing und an die Goalline trug. Nach einer Review der Referees stand der Touchdown zum 15:15 und man konnte theoretisch mit einem Extrapunkt die Führung übernehmen.
Aber da Blake Grupe verletzt war, wurde dieser PAT alles andere als selbstverständlich: Punter Ethan Evans hatte sich an der Sideline das ganze Spiel über für einen Kick vorbereitet, als Holder sollte der Backup-QB Stetson Bennett fungieren. Tatsächlich lief der Ablauf sauber und Evans versenkte den Ball mittig im Fangnetz hinter dem gelben Gebälk.
Ethan Evans, the Rams' punter, takes the extra point attempt and it is GOOD‼️
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Mit 47 Sekunden auf der Uhr war es jedoch Jacoby Brissett mit der Bestimmung, dieses Spiel doch noch in Richtung Arizona zu lenken. Direkt im ersten Play fand er seinen Reciever Brooks, der in der Hälfte der Rams zu Boden ging. Dabei gab es sowohl ein abgelehntes Offside der Rams als auch Unnecessary Roughness gegen Cornerback Josh Wallace, das zumindest fragwürdig war. Nichtsdestotrotz fanden sich die Cardinals sofort in Field Goal Range wieder und mussten nur noch die Uhr herunterlaufen lassen, bevor Chad Ryland das Spiel mit seinem sechsten guten Kick für Headcoach Mike LaFleur gewann.
Was war gut?
Darf man positiv erwähnen, dass es nicht hauptsächlich am Special Team lag, dieses Spiel verloren zu haben? Ansonsten war die Defense über große Teile ok, konnte jedoch am Schluss auch den letzten Drive der Cardinals nicht unterbinden. Der Feel-Good-Moment des Spiels war definitiv der verwandelte Extrapunkt von Ethan Evans, nach welchem die Hoffnung für ein paar Minuten zurück war.
Fair to say Sean McVay is not thrilled with today's game https://t.co/QHwxL6MrQg
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Was lief schlecht?
Die gesamte Offense wirkte off. McVay blieb nicht beim Laufspiel durch Williams und Corum, was sicherlich gegen diese Front geholfen hätte, Kontrolle über das Spielgeschehen zu erlangen. Gegen den Blitz von Defensive Coordinator Nick Rallis hatte man gar keine Antworten, das Playcalling fiel negativ mit unpassenden Screens auf. Nacua machte zwar einige Plays, war aber in wichtigen Momenten auch nicht in der Lage, entscheidende Bälle zu fangen. Matthew Stafford verfehlte Reciever und war einige Male zu statisch in seinen Bewegungen in der Pocket und bei seinen Reads.
Play of the Game
Das ist der späte Touchdown von Colby Parkinson, auch wenn der am Ende wahrscheinlich ein paar Sekunden zu früh war, um dieses Spiel zu gewinnen - dennoch guter Einsatz vom Tight End.
COLBY STRETCHES IT IN!
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Man of the Match
Den Award vergebe ich an Punter und Backup-Kicker Ethan Evans. Er war viel gefordert und musste unerwartet auch andere Aufgaben übernehmen. Hier profitiert er allerdings auch davon, dass keiner in Offense und Defense ein herausragendes Spiel gemacht hätte.
Fazit
Die Niederlage war komplett verdient und der 2-4 Start kann zurecht Sorgen machen. Die Cardinals hatten insgesamt rund 10 Minuten länger den Ball, haben mehr Yards gewonnen und die Rams absolut kalt erwischt. Dennoch ist die Defense für sich genommen weiterhin eine Top 10-Unit im Ligavergleich und die Offense kann wohl im nächsten Spiel kaum schlechter aussehen. Jetzt ist es an Sean McVay, endlich richtige Schlüsse zu ziehen und gleichzeitig schnell möglichst viele davon. Am nächsten Sonntag geht es bei den überraschend gut aussehenden Raiders weiter, bis dahin haben wir hoffentlich alle wieder bessere Laune.
Horns Up!

