WEEK 6
18.10.26
@
Sofi Stadium
Los Angeles,Kalifornien

Divisionsduell zur richtigen Zeit?

Nach 5 Wochen sieht man bei den Los Angeles Rams großteilig die Qualität eines Spitzenteams. Jedoch sind die Special Teams immer noch die größte Baustelle, die sogar Spiele im Alleingang kostet. Kicker Harrison Mevis musste unter der Woche die Segel streichen und wurde durch Blake Grupe ersetzt, der bisher für die Saints und Colts kickte. Auch die Defense konnte Josh Allen jedoch am Montag nicht stoppen. Daher stehen die Preseason-Super-Bowl-Favoriten 2-3 und hinken den Erwartungen hinterher.
Nun geht es für die Rams gerade rechtzeitig in die leichteste Phase des Spielplans: Die nächsten fünf Gegner sind Cardinals, Raiders, Chargers, Commanders und nochmal Cardinals. Auf dem Papier sieht man ausschließlich Pflichtsiege und so ist es auch diesen Sonntag beim Heimspiel gegen Arizona. Es ist obendrein das Wiedersehen mit Mike LaFleur, der bis 2025 Offensive Coordinator unter Sean McVay in LA war.

Über die Cardinals

Division: NFC West
Record: 1-4
Standing: 4th
Headcoach: Mike LaFleur
Key Players: WR Michael Wilson, TE Trey McBride, S Budda Baker

Offense

Am vergangenen Wochenende sorgten die Cardinals für die größte Schlagzeile abseits des Rasens: Wide Reciever Marvin Harrison Jr., der 2023 mit dem vierten Pick des Drafts nach Arizona ging, wurde zu den Houston Texans getradet. Der junge, ehemals vielversprechende Playmaker konnte den hohen Erwartungen nie gerecht werden und das neue Regime war offensichtlich nicht überzeugt, dass sein Potenzial in naher Zukunft erreicht werden würde. Somit sind WR Michael Wilson und Tight End Trey McBride die beiden verbliebenen offensiven Aushängeschilder. Wilson übernahm schon im letzten Jahr unter Anwesenheit von Harrison die Rolle der Nummer 1, während McBride 2025 statistisch die Liga in sämtlichen Kategorien anführte. Angeworfen werden sie vom 33-jährigen Jacoby Brissett bei dessen sechstem Team. Dieser kam im letzten Jahr nach der Verletzung von Kyler Murray zum Zug und führte eine pass-heavy-Offense an, die – oft weit im Rückstand – den Ball immerhin gut zu bewegen wusste. Zuletzt konnte er allerdings immer weniger zum Erfolg des Teams beisteuern.
So wurden nach der vierten Niederlage in Folge am Sonntag die ersten Rufe nach Rookie-QB Carson Beck laut. Eventuell ergibt sich im Spiel gegen die Rams eine Situation, in der der Drittrundenpick hereingeworfen wird. Unterstützung soll Brissett in erster Linie vom Laufspiel bekommen. Hier haben die Cardinals mit ihrem besten Draftpick an Nummer 3 investiert und Jeremiyah Love verpflichtet. Der aber hat hinter einer wackligen Offensive Line bisher Schwierigkeiten, seine Klasse aus dem College (Notre Dame) in die NFL zu übertragen. Sein Einsatz gegen die Rams ist aufgrund einer Knöchelverletzung jedoch unwahrscheinlich. Da auch James Conner noch nicht wieder ganz fit ist, wird Tyler Allgeier die Nummer 1 am Sonntag sein - furchteinflößende Laufspiele sehen anders aus.
Die Erwartungshaltung an die Defensive von Rams-DC Chris Shula muss sein, den Lauf früh zu unterbinden und Trey McBride über die Mitte des Feldes in Schach zu halten. Dominanz halte ich auf dieser Seite des Balls auch für durchaus realistisch. Gegen die O-Line vor Brissett sollte auch der Passrush eine gute Figur machen können und den Spielmacher der Cardinals sehr regelmäßig unter Druck setzen.

Defense

Die Verteidigung wird von Nick Rallis im ersten Jahr betreut, aber die Story der Unit ist identisch zu den letzten Jahren: Bestensfalls Mittelfeld, viele Verletzungsprobleme bei Schlüsselspielern und generell schon wenige Topstars. Die eine Konstante seit Jahren ist Safety Budda Baker, der Anführer der Defense. Ihn findet man überall auf dem Feld, allerdings muss er auch an allen Ecken und Enden helfen. Mit dem zweiten Safety Andrew Wingard ist ein Starter fraglich mit einer Knieverletzung, während CB Will Johnson schon raus für die Saison ist. Gegen Puka Nacua, Davante Adams und den Rest der Passempfänger der Rams müssen also Backups ran.
In der Front 7 sieht es gesünder aus, obgleich auch hier Qualität ein Fragezeichen ist. Defensive Tackle Walter Nolen ist das Talent, auf dass man in Arizona beim Aufbau einer guten Unit die meiste Hoffnung setzt. Um ihn herum spielen aber keine großen Namen, gegen die gute Rams O-Line muss also auch etwas durch Nick Rallis' Scheme kommen. Auf dem Papier sind die Cardinals der Rams Offense in allen Belangen deutlich unterlegen.

Wichtige Matchups

Rams D-Line vs. Cardinals O-Line
Mit Aaron Donald, Byron Young, Kobie Turner, Poona Ford und auch Josiah Stewart kommt eine große Herausforderung auf die Offensive Line der Cardinals zu. Diese haben ohnehin schon verletzungsbedingten Qualitätsmangel und in diesem Spiel kann das besonders ins Gewicht fallen. Wenn die Cardinals weder ihr Laufspiel noch ein effektives Passspiel auf den Turf bringen, wird die Rams D-Line daran stark beteiligt sein und somit wäre jede Chance dahin, nach Arizona etwas Zählbares mitzunehmen.

Cardinals TE McBride vs. Rams Secondary
Die Cardinals Offense muss Trey McBride richtig ins Spiel bekommen. Dazu empfiehlt sich schon durch körperliche Überlegenheit, ihm einige Matchups gegen Safeties und Linebacker über die Mitte des Feldes zu geben. Da die Rams viel mit 5 oder sogar 6 Defensive Backs auf dem Feld stehen, sollten immer auch mehrere Gegenspieler dabei sein, gegen die McBride aufgrund seiner Qualität gewinnen kann. Diese gilt es aus Sicht von Mike LaFleur zu finden und zu nutzen. Die Rams Defense ließ allerdings in den ersten 5 Wochen nie mehr als 5 Catches für 33 Yards bei gegnerischen TEs zu.

Injury Report

Fazit

Es ist ein absoluter Pflichtsieg, mit dem der leichteste Abschnitt der Saison am Sonntag um 22:05 Uhr MESZ beginnen wird. Auf offensiver und defensiver Seite sind die Rams klar überlegen und auch bei den Buchmachern aktuell mit zwei Touchdowns favorisiert. Dem gilt es zwar gerecht zu werden, an erster Stelle steht jedoch nur ein möglichst sicherer und gesunder Sieg - unabhängig vom Scoreboard. Damit würde man Selbstvertrauen tanken, natürlich auch in der Division gleich einen Sieg einfahren und den internen Record in der NFC West auf 1-1 stellen.
Ein besonderes Augenmerk sollte hier auf den Special Teams liegen. Die werden einige Möglichkeiten haben, gleich mit dem neuen Kicker Blake Grupe Punkte zu erzielen und zu zeigen, dass diese Gruppe schnell deutlich besser werden kann. Nur so können die Rams ein ernsthafter Contender werden.